#  Kuba 2019 - ¿Ahh, Alemania, Alles Paletti? - Havanna Teil 2


Als wir unseren Urlaub in Kuba 10 Monate vorher geplant hatten, hatten uns so viele geraten, mehr Zeit für Havanna einzuplanen, da diese Stadt so gigantisch sei. Und somit hatten wir tatsächlich für unseren Urlaub ganze 5 Tage eingeplant um die so „gigantische“ Stadt genauer unter die Lupe zu nehmen. Vielleicht gerade deswegen sind wir allerdings zu einem Schluss über Havanna gekommen, den ich dir hier nicht vorenthalten möchte. Nein, ich möchte hier keinesfalls Havanna schlecht reden. Diese Stadt, die mittlerweile 500 Jahre besteht, mit seinen traditionellen Festungen, der Hafenmauer und seiner ganzen Geschichte ist wirklich ein interessantes Ziel, dass auf der Kuba Reise keinesfalls fehlen darf. Im Gegenteil, ich denke dass Havanna für sich, mit seinen ganzen Eigenheiten, eine echt wundervolle Stadt ist… die allerdings auch irgendwie ein zweites Gesicht hat.

So wie die Stadt sich zeigt, so kann man Havanna und seine Bewohner auch beschreiben: Da wären die Traditionen, die alten und geschichtlich wertvollen Gebäude, ältere Menschen, die wahrlich viel in diesem Land erlebt haben. Dann gibt es diese bröckelnden Fassaden, diese alten und teils verarmten Gebäude, die schlechten Straßen und Infrastruktur, die insbesondere in der Altstadt von Havanna deutlich auffallen. Hier wohnen sichtlich Menschen, die versuchen, irgendwie über die Runden zu kommen, die versuchen ihren Alltag zu bestreiten, die sichtlich kein leichtes Dasein haben. Und dann ist da der immer stärker werdende Tourismus, auf den das Land seine ganzen Hoffnungen legt, und in den immer mehr Geld gesteckt wird obwohl dieses vielleicht an anderer Stelle gebraucht werden kann. So scheint es, dass man innerhalb zweier Querstraßen plötzlich in einem ganz anderen Havanna zu sein scheint: Musik aus jeder Ecke, hergerichtete Fassaden, Straßen und Restaurants, bunte Farben, alles bereit um den Tourismus ein gutes Bild darzubieten. Am Malecon entlang entstehen zahlreiche, neue Hotels, teils von Glasfassaden gezierte, riesige Gebäude, die leider so gar nicht in das Bild Havannas passen. Allgemein ist der Kontrast zwischen „Wow“ und „Oh“, zwischen Alt und Neu, zwischen Arm und Reich sehr deutlich. Der Tourismus hat festen Einzug in Havanna gefunden und scheinbar wird sich dies auch nicht wirklich ändern. Im Gegenteil.

Wer CUC, der Kann!

Somit gibt es mit dieser Ausrichtung auf den Tourismus auch einen scheinbaren Wandel auf ein ganz besonderes Gut: Geld. „Wer CUC der Kann!“ war meine Erkenntnis, besonders in den touristischen Orten wie Havanna. Nach der großen Krise hatte sich Kuba bewusst auf den Tourismus konzentriert, der dem Land sicherlich einen gewissen Aufschwung gegeben hat. Doch mit diesem Aufschwung kam auch die Abhängigkeit. Die Menschen merken, dass sie mit dem durch den Tourismus zu erwirtschaftenden Geld ein besseres Leben haben können, somit richten Sie ihren Fokus auf diesen aus (und lassen teils ihre Jobs als Lehrer, Ingenieure oder Doktoren fallen, um als Touristenführer oder Taxifahrer viel Geld mit dem Tourismus zu machen). Mit dieser Ausrichtung kommt gleichzeitig ein Phänomen auf: Menschen sind stets freundlich, solange sie von dir Geld bekommen können! Am Ende des Regenbogens Havanna bist du als Tourist also derjenige mit dem Goldtopf und gefühlt jeder möchte an diesen Goldtopf hin. Schaut man die Hintergründe und die Lebensverhältnisse an, ist dies natürlich durchaus verständlich und natürlich kann kein Kubaner nicht zwischen dem Touristen, der sich wie der König aufführt, nur billig Zigarren einkaufen will und sagen möchte, dass er mal in Havanna war, und dem Touristen, der wahrlich an dem Land, den Menschen, der Lebensweise und der Gesichte interessiert ist, unterscheiden. Ein Deutscher ist ein Deutscher. ¿Ahh, Alemania, Alles Paletti? ¿Alles Klar, Herr Kommissar? Diese Fragen sowie das gelockt werden in alle Ecken und Enden, nur um in sogenannten „Cooperativos“ Zigarren zum Sonderpreis zu bekommen, hat es irgendwann echt ätzend werden lassen, durch Havanna zu laufen. Ja, wir waren mit Kamera und Co ausgestattet, sahen also sicherlich auch aus wie die typischen Touristen. Und dieser Tatsache geschuldet wurden wir auch wirklich immer angesprochen, meistens sogar auf Englisch, freundlich aber irgendwie ersichtlich, dass dahinter ein größerer Wunsch steckt als jetzt zu wissen, wo wir herkommen und wie lange wir bleiben. Dies führte zwangsläufig dazu, dass jeder Kubaner, der uns auf Englisch ansprach, skeptisch entgegen gegangen wurde. „Und was will der uns verkaufen?“

Mir ist hier noch ein Moment in Erinnerung, als uns bei der Stadtführung eine typische Kubanerin, wie man das sich eben so in Havanna vorstellt, mit Zigarre im Mundwinkel auf uns zukommt. Die Dame umarmt uns, und ich dachte nur „Wow, wie lieb ist dass denn? Wie offen die Kubaner sind!“ Wohl gemerkt, war dass unser allererster Tag in Havanna, und ca. in den ersten 30 Minuten unserer Stadtführung. Hossana, unsere Stadtführerin, kannte die Dame aber nur zu gut: „Sagt, dass ihr keinen Foto habt und euer Handy nicht geht zum Fotografieren“, denn prompt wollte die Dame mit uns ein Foto machen. Nicht, weil es für uns ein liebes Andenken wäre, sondern einziges Ziel für die Dame war es, 1 CUC (wohl gemerkt, ca. 25 bis 30 CUC ist das Durschnittsgehalt der Kubaner) von uns für ein Foto zu ergattern. Und da diese Dame in einer der touristischsten Straßen von Havanna auf und ab ging, waren wir sicherlich nicht die einzigen, die hier so angesprochen wurden. Ähnlich geht es da den plötzlich zur Seite stehenden „Stadtführern“ die nach Ansprache mit einem mit Laufen, obwohl man dies sichtlich nicht möchte. Teils hatte sich ein solcher Kandidat zwischen meine Frau und mich gedrängt und uns auf Schritt und Tritt begleitet, hatte mit dem Finger auf Gebäude und andere Dinge gezeigt, nur um später 3 CUCs von uns zu erfragen, nachdem ich ihn gebeten habe, mir doch Zeit für mich und meine Frau zu lassen.

TIPP: Habe keine Skrupel in Kuba, nett aber bestimmend Dinge abzulehnen und ggfs. auch mal dreist zu sein. Ich, der immer seine moralischen Gewissensbisse hat, habe etwas gebraucht, bis ich an einem Restaurant dankend abgelehnt habe nur um direkt vor der Nase des Kellners in ein anderes zu gehen.

Die Jinteros

Bitte versteh mich hier nicht falsch, ich verstehe die Hintergründe und ich weiß auch, dass mit etwas mehr Bestimmtheit kein CUC den Geldbeutel verlassen muss, es ist schließlich kein Muss, es ist keine Dienstleistung die man hier einkauft, sondern eher eine Art bestimmende Geste. Dennoch hat mich die Tatsache, dass viele, die uns angesprochen haben, nur an unser Geld wollte, wirklich sehr gestört. Die sogenannten Jinteros in Havanna versuchen einen mit besonders phantasievollen Tricks in alle Ecken und Bars zu lotsen, wo es anscheinend die billigsten und besten Drinks gibt, in denen man dann das Doppelte und teils Dreifache für die Drinks zahlt. Diese Jinteros bekommen dann ihren Anteil von der jeweiligen Bar. Das Problem ist bekannt und auch wir wussten vor unserer Reise, worauf wir achten mussten. Und trotzdem, fielen auch wir auf die Jinteros herein. Dieses Bild, dass durch den zunehmenden Tourismus sicherlich immer schlimmer wird, hinterließ eine schwarze Wolke hinter dem sonstig so sonnigen Himmel in Havanna.

Auch sehr schade ist, dass man in Havanna generell das Gefühl hat, um sein Geld gebracht zu werden. So gibt es ein sehr undurchsichtiges System an Restaurants, teils staatlich, teils privat, dass mit so unterschiedlichen Preisen strotzt, dass man vorher am besten sich erstmal die Menükarte zeigen lässt. So variieren in Havanna die Cocktails von günstigen 4 CUC bis 7 CUC für den gleichen Drink, wobei teils der teurere noch kleiner ausfällt und vielleicht sogar hinter dem Tresen mit billigen Rum nur aufgefüllt wurde.

TIPP: In so ziemlich jedem Restaurant kann man sich vorher die Menükarte anschauen. Es lohnt sich hier immer zu schauen und ggfs. erstmal mit anderen zu vergleichen, bevor man sich für ein Restaurant entscheidet. Zudem solltest du mit der App maps.me die Bewertungen der Restaurants vorher durchgehen, oftmals steht hier auch von den entsprechenden Nutzern, wie das Essen war und ob die Preise auch angemessen sind.

FAZIT:

Nochmal, um jetzt hier kein falsches Bild zu schaffen: Havanna ist schön, interessant und sicherlich sehenswert. Dennoch gibt es hier, wie auch in manch anderen, touristischen Städten auf Kuba, diese Dinge, die es ein wenig lästig machen und ein, wir Schwaben sagen „G’schmäckle“, hinterlassen. Die ständigen Fragen, ob man ein Taxi haben will (schließlich gibt es auch, zugegeben so verrückte, Menschen wie wir, die viel zu Fuß machen), das ständige Angesprochen werden, ob man denn schon die billigsten Zigarren Kubas gekauft hat, und allgemein, und das ist das Traurigste, das Misstrauen, dass man nach kurzer Zeit empfindet, da schon viele versucht haben, an dein CUC zu kommen, sind uns leider negativ in Erinnerung geblieben. Der wachsende Tourismus (und ja, ich bin mir der Ironie bewusst, dass ich selbst Tourist in diesem Land war) zieht sich durch das Land und verändert es, weil das Land eben vom Tourismus lebt und davon Abhängig ist, denn vom Durchschnittslohn kommt kaum ein Kubaner wirklich über die Runden. So denke ich ist Havanna vor 10 Jahren sicherlich offener und anders gewesen als heute und wird sicherlich auch in 10 Jahren nochmals eine Änderung erfahren. Havanna ist ein Muss, keine Frage, besonders wegen seiner Geschichte aber auch wegen seiner eigenen Besonderheit, seinen Oldtimern, seiner Geschichte um Hemingway und der Revolution. Aber dennoch sollte der schöne Teil Kubas erst noch auf uns warten.

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