Emotionale Wahrnehmung - Das Prinzip von einzigartigen Momenten


Vor kurzem hatte ich ein sehr interessantes Gespräch geführt, bei dem es ein ganz besonderes Thema ging, dass es mir Wert war, darüber zu schreiben und mit dir in einem Blog zu teilen: Einzigartige Momente in unserem Leben! Vielleicht denkst du, dass dieses Thema nicht wirklich besonders ist und fragst dich gerade, warum ich darum so einen Wind mache? Doch ich finde dieses Thema außerordentlich wichtig, da es viele interessante Aspekte in unserem Leben beleuchtet. Doch der Reihe nach…

Sicherlich ist dir schonmal aufgefallen, dass es Momente in unserem Leben gibt, die ganz besonders und einzigartig zu sein scheinen und die uns für unser ganzes Leben in Erinnerung bleiben werden: Unsere eigene Hochzeit, die Geburt unserer Kinder aber auch das Treffen unserer großen Liebe, unser erster Kuss oder ein ganz besonderes Konzert deiner Lieblingsband (ich hoffe, du hast in diesem Moment diese ganzen, wundervollen Momente von dir vor Augen :), nimm dir daher kurz die Zeit daran zu denken, bevor du weiterliest). Andere Momente wiederum scheinen eher flüchtig und fast schon in den Erinnerungen verschwommen. Sie scheinen so gewöhnlich, obwohl sie vielleicht echt spaßig und trotzdem irgendwie besonders waren. So kannst du dich auf der einen Party, an der du deine große Liebe kennengelernt hast, genau daran erinnern, welche Musik gelaufen ist und welche Gefühle du dabei hattest. Das war ein ganz besonderer Moment, den du in diesem einen Augenblick mit all deinen Sinnen wahrgenommen hast. Aber diese eine 0815 Party von vor drei Jahren, an die kannst du dich nur noch vage mit einem „Ach, da war ja mal was“ erinnern.

Heute, in Zeiten von Facebook und Co, versuchen wir besonders viele der besonderen Momente einzufangen, meist mit unserem Smartphone, machen dabei zahlreiche Fotos und Videos um diese dann zu posten und von unseren Freunden und völlig Fremden bewerten zu lassen. Gibts dafür überdurchschnittlich viele Daumen nach oben, war das dann für uns ein ganz besonderer Moment. Gibts weniger Daumen nach oben, ist dieser nicht weiter interessant für uns und es geht teilweise sogar so weit, dass manche Posts von uns selbst wieder gelöscht werden, nur weil diese nicht genug likes bekommen haben. Und Dinge die niemals gepostet wurden oder von denen es keine Fotos oder Videos gibt, sind faktisch nicht passiert… Oder?

So kommt es mir zumindest in der heutigen Zeit von Social Media vor. Zugegeben auch ich bin hier sehr aktiv auf Social Media Kanälen und auch ich poste über besondere oder nicht so besondere Momente wie das so ziemlich jeder heutzutage tut. Doch frage ich mich gleichzeitig, ob bestimmte Momente nicht besonders waren, wenn ich davon keine Fotos gemacht habe?

Von besonderen Momenten...

April 2018. Meine Lieblingsband Metallica war in der Stadt und ich hab mich auf dieses Konzert überaus gefreut, da es tatsächlich das erste mal war, dass ich Metallica Live sehen durfte. Der Abend war grandios und jedes Lied war wie ein Brett. Ich habe an diesem Abend zwei bis drei Fotos von der Bühne selbst gemacht, für den Rest aber mein Handy einfach mal in der Tasche gelassen (sieht und hört man ja sowieso kaum was auf den Aufnahmen ;)). Ich habe jede Minute, jedes Lied, jede Emotion wahrgenommen und war auf diesem Konzert komplett präsent. Bis heute überkommt mich Gänsehaut wenn ich die Songs und Alben heute in meinem Auto oder auf den Kopfhörern höre. Die Live Aufnahmen des Konzerts scheinen dabei die Energie des Abends absolut nicht eingefangen zu haben. Ich war überwältigt von diesem Konzert und den Emotionen und habe beschlossen, beim nächsten Konzert von Machine Head zwei Wochen später das ebenso zu machen. Auch hier war die Energie atemberaubend, sogar noch stärker als bei Metallica. Ich hatte selbst in diesen Wochen eine harte Zeit und mit mir stets selbst kämpfen müssen. Als dann das Lied „Darkness Within“ kam, war ich von meinen Emotionen überwältigt und eine Mischung aus Gänsehaut, Traurigkeit und Stärke durchfuhr meinen ganzen Körper. Ich habe das Lied erst auf Video aufnehmen wollen, habe dann aber mein Handy weggesteckt. Ich bereue diese Entscheidung keine Sekunde. Ich war auf diesem Konzert mit meinem Kumpel, der, wie so viele andere Menschen, das Lied in seiner vollen länge aufnahm. Im Anschluss zum Konzert haben wir uns die Videos und Bilder gemeinsam angesehen, aber wieder kam die Energie, besonders bei diesem Lied, über das Video nichtmal ein bisschen rüber. Dagegen, wenn ich das Lied auf meinen Kopfhörern oder im Auto höre, fühle ich die Energie und die Emotionen des Konzerts wieder ganz deutlich. Hätte ich diese Momente komplett hinter dem Smartphone verbracht und die Momente emotional nicht genossen, hätte ich diese Besonderheit dieses Moments vermutlich so nie einfangen können. Vermutlich werde ich mich aber noch in 10 Jahren an diesen Moment erinnern, wenn ich dieses Lied höre. Im Gegenteil geht es mir dabei mit einem wundervollen Urlaubsfoto, dass ich erst vor Kurzem wieder gesehen habe. Ein wundervolles Landschaftsfoto im Norden der Insel Mallorca aus 2015. Das Foto habe ich mir schon bestimmt 100 mal angeschaut und ich weiß auch noch ganz genau, wo und mit wem dieses Foto entstanden ist. Doch habe ich mich dabei erst vor kurzem gefragt: Hast du diesen Moment denn auch wirklich wahrgenommen? Hast du diese Landschaft wirklich wahrgenommen und genossen, oder hast du einfach nur nach einem coolen Motiv für dein Foto gesucht? Hast du alles wahrgenommen? Den Geruch, das Gefühl, die Geräusche? Heute muss ich wahrscheinlich sagen: Nein! Und dabei war das ein wirklich besonderer Moment in meinem Leben, den ich zwar auf Foto festgehalten habe, aber heute nichtmehr nachspüre, so wie ich dies mit den Songs mache, die ich auf den Konzerten vollends wahrgenommen habe.

„Shashin o tottemo ii desu ka?”

Und so frage ich mich instinktiv: Wenn ich besondere Momente erlebe, aber diese nur mit Technik und nicht mit meinem wahren Bewusstsein aufnehme, sind diese Momente dann noch so besonders? Ich spreche dabei von einem Effekt, den ich den „Shashin-Effekt“ nenne ("Shashin o Toru" ist japanisch für "fotografieren"). Japaner sind dabei nämlich stets bekannt für ihre zahlreichen Fotos im Urlaub. Da diese nur wenig Urlaub haben und nehmen und in diesem dann natürlich besonders viel sehen und erleben möchten, machen sie unglaublich viele Bilder, die sie später dann zu Hause nochmals anschauen können. Zu Hause schauen sie sich dann ihre Bilder nochmals an um wirklich zu sehen, was sie denn tatsächlich alles gesehen und erlebt haben. Der besondere Moment, den sie haben, wurde lediglich auf Film oder Bild aufgenommen, und teilweise erinnern sich diese dann nichtmal mehr an das Erlebte, nur die Bilder tun es.

Doch nehmen wir an, wir haben die Schritte unseres Kindes lediglich auf Film aufgenommen und auf einmal geht dieser Film verloren. Können wir uns dann tatsächlich noch an die Schritte selbst erinnern oder lediglich an den Film, den wir dabei gemacht haben und die Schritte unseres Kindes, die wir durch unser Display selbst verfolgt haben? Erinnern wir uns auf Konzerten an das Gefühl, dass wir während eines Lieder hatten oder an den Film, den wir aufgenommen hatten? Wenn die Bilder und Videos irgendwann verloren gehen, gelöscht werden usw., gibts es diese besonderen Momente noch in unserer Erinnerung?

Zugegeben, der Gedanke ist sehr provokativ und vermutlich auch nicht so drastisch, wie ich das beschrieben habe. Aber trotzdem habe ich am eigenen Beispiel erfahren, dass das auch nicht unbedingt weit her geholt ist. In Zeiten, in denen wir von besonderen Momente und Augenblicken leben, die uns zeigen, was die wichtigen Dinge im Leben sind, sollten wir uns vor Augen führen, diese besonderen Momente nicht hinter einer zweiten, teilweise virtuellen Realität zu verbringen.

Jeder Moment ist etwas Besonderes

Gleichzeitig möchte ich dir dabei etwas ganz anderes noch mit auf den Weg geben, nämlich die aktive und bewusste Wahrnehmung von Momenten. Denn es ist doch so, dass es die Momente sind, die uns in Erinnerung geblieben sind, die uns besonders und emotional angesprochen haben, sprich die wir bewusst wahrgenommen haben. Warum dir die Party, an der du deine große Liebe kennengelernt hast, so sehr in Erinnerung geblieben ist? Weil du wahrscheinlich in diesem Moment all deine Schmetterlinge im Bauch gespürt hast, so viele unterschiedliche Emotionen, die diesen einen Moment in dein Sein gebrannt haben. Selbst die Musik, die an diesem Tag gelaufen ist, ist dir noch so präsent, dass die Gefühle, die du hattest, mit diesen Lieder plötzlich wieder abgerufen werden. Das gilt für die besonders starken Emotionen die du wahrnimmst, sowohl für die guten als auch für die weniger guten. Doch ich gehe hier jetzt einen Schritt weiter und sage, dass du öfter diese besonderen Momente und Erinnerungen haben kannst, wenn Emotionen einfach nur bewusst wahrnimmst. Ich spreche hier von Achtsamkeit. Natürlich musst du diese Achtsamkeit nicht unbedingt bei deiner Steuererklärung erfahren und damit noch stärker die Abneigung zu dieser unliebsamen Arbeit fördern. Aber nimm doch mal bewusst wahr, wie du dich fühlst, wenn du eine riesige Rückzahlung von deiner Steuererklärung bekommst. Vielleicht fällt dir dann die Erklärung selbst etwas einfacher im Hinblick darauf, wie gut du dich fühlst wenn dabei etwas positives raus kommt? Okay, nicht das Beste Beispiel. Aber nimm doch das nächste mal beispielsweise das Gespräch mit deinem besten Kumpel mal genau wahr. Vielleicht spürst du ja sogar, wie er sich fühlt, wie er dich in dem Moment braucht und wie gut dir und der Freundschaft dieses Gespräch gerade tut? Vielleicht sprichst du dann auch mal weniger und hörst mehr zu, nimmst mehr wahr und weißt diesen Moment eher zu schätzen?

Vor kurzem bin ich bei einer meiner Meditationen auf einen sehr interessanten Fakt gestoßen: Jeder Moment ist einzigartig! Und das stimmt in 1000% der Fälle. Denn auch wenn Situationen sehr ähnlich zu sein scheinen, so gibt es doch immer einen individuellen Faktor dabei: Ein neuer Gedanke, etwas was du erst gestern dazu gelernt hast, eine neue Information, eine neue Erfahrung, eine Einstellung, ein Gefühl, einen Schmerz… Irgendetwas ist immer anders ein einem Moment, also besonders. Somit kannst du also sagen, dass jeder Moment besonders ist. Und wenn jeder Moment besonders ist, und wir doch diese besonderen Momente doch so gern in unserem Leben haben wollen, warum lassen wir dann so viele dieser Momente an uns vorbei ziehen?

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