Über die wahre Fitness oder „Warum ein Ferrari mit kaputtem Motor nicht fahren kann“


Eins vorneweg: Dieser Beitrag versucht meine subjektive Sicht, also meine sehr persönliche Meinung und Erfahrung, objektiv in einen allgemeinen Kontext zu bringen. Du bekommst also einen sehr persönlichen Einblick von mir und gleichzeitig meine Rückschlüsse, was für mich (und vielleicht auch generell) wahre Fitness bedeutet.

Ich selbst habe so ziemlich alle Fitnesszustände einmal durchgemacht, wohlgemerkt spreche ich hier von Fitness- und nicht Gesundheitszuständen. D.h. ich spreche nicht davon, dass ich bereits schlimme Krankheiten oder schwere, vielleicht sogar lebensbedrohliche Gesundheitszustände hatte. Diese schweren Schläge musste ich bisher Gott sei Dank noch nicht an meinem eigenen Körper erfahren (*dreimal auf das Holz klopfend*). Stattdessen rede ich davon, dass ich in verschiedenen Lebenslagen und Lebensaltern unterschiedlich fit gewesen war (lese dazu doch mal den Beitrag „Becoming me - Wie ich endlich ich geworden bin“). Vor und in der Pubertät, so ziemlich indem Zeitraum, als ich in die fünfte Klasse gekommen bin, ging mein Fitnessstand von pummelig zu stark übergewichtig über. Ich lebte sicherlich nicht gesund, fing damals früh an zu Rauchen und das zu tun, was eben viele der Jugendlichen (ab 16) so tun: Mit Freunden weg gehen (je weniger zu Hause, desto besser), immer mal wieder zur Bierflasche greifen, Fast Food essen, am Rechner hocken und sich Chips, Eistee und Cola reinziehen. Entsprechend sah man mir dies natürlich an: Ich hatte einen echten Fettbauch und atmete sehr schwer, wenn ich nur ein paar Treppen nehmen musste. Als Skater war ich auch eher ein komisches Abbild auf meinem Skateboard und allgemein war Sport für mich mehr ein Übel als ein Segen, auch wenn ich mich regelmäßig bewegte. Irgendwann mit Ende der Abi Zeit habe ich dann angefangen etwas mehr auf meine Gesundheit zu achten, speckte, nachdem ich meinen Gewichtsrekord von 110 kg nochmals überstiegen habe, einige Kilos ab und machte ein kleines bisschen mehr Sport bzw. bewegte mich etwas mehr. So in der zeit meines Zivildienstes war ich auf jeden Fall etwas mehr min Bewegung und irgendwo jenseits der 90 kg angekommen. Dann irgendwann die Einsicht, doch etwas mehr für Miene Gesundheit zu tun. Ich hörte auf zu rauchen, achtete etwas mehr auf meine Ernährung und fing an regelmäßig zu Joggen. Ich konnte fast zusehen, wie ich wöchentlich mehr und mehr Kilos verlor und auch beim Joggen (anfänglich war ich froh, mal 1-2 Kilometer zu joggen) bekam ich immer mehr Strecke zustande. Bis ich letztendlich 71 Kilo gewogen habe. Ich fühlte mich definitiv besser und hatte eine gute Ausdauer, aber wirklich gut fühlte ich mich in meinem Körper trotzdem nicht. Ich war in dieser Zeit fast schon hager, doch irgendwie fehlte mir die Muskelmasse an meinem Körper. Also begann ich Krafttraining zu betreiben, um hier auch Muskeln auf meinen für mich hageren Körper zu packen um mich dadurch endlich wohler zu fühlen. Doch mehr Muskelmasse machte es mir wiederum schwerer, meine Kilometer beim Joggen zu schaffen. Ich bekam starke Schmerzen in meinen Füßen, weil meine Laufschuhe und mein Laufstil eher kontraproduktiv für meine Gelenke waren. Auch beim Kampfsport waren schwere und schwer durchblutete Muskeln eher anstrengend zu managen.

Okay, wiedermal viel gelabert um auf den wesentlichen Punkt zu kommen: Ich habe so ziemlich alle Fitnesszustände einmal durchgemacht und kann somit für mich ziemlich genau sagen, in welchem Fitnessstand ich mich am wohlsten gefühlt habe und warum. Diese Erfahrung möchte ich dir kurz erläutern und im Anschluss kurz darauf eingehen, warum Fitness, Ästhetik und Gesundheit nicht zwangsläufig synonym genutzt werden sollten.

Vom Trabbi zum Golf

Als ich kurz nach meiner Abi Zeit von meinem Höchstgewicht herunter gekommen war, fühlte ich mich, als sei ich vom Trabbi zum Golf aufgestiegen. Als „Trabbi“ fühlte ich mich träge, schwer, ich kam kaum die Gänge und brauchte bei weitem kaum Leistung „auf die Straße“. Ich sah weder wie ein geölter Blitz aus noch fühlte ich mich wohl. Das Schuhe anziehen, das Treppensteigen, viele Alltagssituationen verlangten mir schon einiges ab, da möchte ich mich teils nicht ausmalen, wie sich Menschen fühlen, die unter noch stärkerem Übergewicht leiden. Den Vorteil, den ich in dieser Zeit noch hatte, war, dass ich jung war und somit mit dieser erschwerten Situation noch gut ausgekommen bin und mein Körper sich selbst geholfen hat. Dennoch kann ich sicherlich sagen, dass ich in dieser Zeit nicht fit war, vielleicht sogar auch nicht gesund. Das zeigte sich nicht nur in meiner Fitness, sondern auch in der Ästhetik wieder. Als ich dann letztendlich etwas abgespeckt hatte, fühlte es sich wie ein Aufstieg an, vom Trabbi zum Golf. Ich nehme hier bewusst den Golf als Metapher, da dieser immer schon das „Volksauto“ der Otto-Normal-Verbraucher dargestellt hat. Ich möchte dabei also sagen, dass ich in dieser Zeit optisch und von der Fitness her so ziemlich wie der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung war. Sah ich ästhetisch anders aus? Sicherlich. War ich fitter? Naja, fitter als ein Trabbi gewiss, aber ein Sportwagen war ich bei weitem noch nicht.

Die ersten PS auf der Straße

Erst nachdem ich mich etwas stärker mit meiner Ernährung beschäftigt hatte und auch der Sport etwas häufiger wurde, bemerkte ich wesentliche Änderungen in meiner tatsächlichen Fitness: Ich war nichtmehr so schnell außer Atem, ich schaffte mehr, ich erreichte mehr und bemerkte das erste mal eine Art positiven Teufelskreis (wie nennt man die Dinger eigentlich, wenn sie positiv sind?). Je fitter ich wurde, desto fitter wurde ich. Klingt jetzt nicht nach Science Fiction. Aber ich bemerkte, wie endlich die ersten PS auf die Straße gebracht wurde. Neben der körperlichen Fitness hat sich auch die mentale Fitness verbessert: Menschen reagierten anders auf mich und ich selbst war um einiges selbstbewusster. Das war die erste Zeit, in der ich verstand, dass es nicht nur ums schlank aussehen geht, sondern dass viel mehr die Fitness (und nicht „nur“ die Ästhetik) eine Rolle spielt. Je stärker ich dabei auf meine Gesundheit und Fitness achtete, ich war dann irgendwann Nichtraucher und bin regelmäßig Joggen gegangen, desto stärker und fitter fühlte ich mich. Doch dann passierte etwas merkwürdiges, denn ich wurde süchtig, nicht nach der Fitness sondern nach der Ästhetik, die mit der Fitness kam. Ich bemerkte, wie das „Bauchpinseln“ der vielen Menschen um mich herum Balsam für mein Ego waren. In meinem Kopf änderte sich etwas, denn ich machte den Sport und kümmerte mich um meine Ernährung nicht mehr rein der Fitness willen, sondern weil ich es liebte, wie Menschen mir sagten, wie toll ich aussah. Ich kann heute sagen, dass in dieser Zeit nichtmehr die Fitness im Vordergrund stand, sondern die Ästhetik: Ich wollte so schlank wie möglich werden, ein Sixpack war für mich das absolute Ziel und ich quälte mich, teils sehr ungesund, so ab, nur um dieses zu erreichen. Heute erkenne ich, dass ich damals zum ersten mal erfahren habe, dass Fitness und Ästhetik nicht unbedingt zwei gleiche Schuhe sind. Und dieses Paradoxon fühle noch ich bis heute nach, besonders, wenn es wiedermal auf den Sommer zugeht und ich einfach nur „super“ aussehen möchte.

Von der Karosserie zum Sportwagen

Ich weiß noch sehr genau an welchem Punkt sich mein Leben im Bereich Fitness und Disziplin in eine andere Richtung gedreht hatte, und zwar, als ich damals mit dem Kampfsport begonnen habe. Ich habe damals verstanden, dass ich zwar daran gearbeitet habe, gut auszusehen, aber nicht an meiner wahren Fitness gearbeitet habe. Ich hatte quasi eine Karosserie geschaffen, die nicht wirklich auf die Straße gebracht werden kann. Persönlich denke ich dabei (und hier mögen mich die Leute nun beschimpfen oder steinigen), dass auch heute in den meisten Fällen wesentlich Wert auf die Ästhetik gelegt wird (die Meisten, mich eingeschlossen, haben schließlich aus diesem Grund angefangen, Sport zu trieben) anstatt auf die tatsächliche Fitness. Klar gibt es mittlerweile Bereiche, die sich hier abheben, wie beispielsweise CrossFit oder funktionales Training. Aber nur die wenigsten, die ich kenne, und besonders niemand, der erst mit dem Sport angefangen hat, wollen Sport der Fitnesswillen machen, sondern der Ästhetikwillen. Menschen wollen nicht fit sein, sie wollen nackt gut aussehen! Doch das gleicht wieder dem Bild einer Karosserie ohne Motor. Sicherlich ist die Karosserie das, was man von außen sieht. Doch wenn du im Auto sitzt, das was du selbst erleben kannst, ist die Performance des Autos auf der Straße. Sorry für diese vielen, teils schlechten Methaphern aber ich möchte dir damit eins veranschaulichen: Eine Karosserie macht noch lange keinen Sportwagen! Ich musste das jahrelang lernen und erkennen und bin hier noch immer jeden Tag dabei, neue Dinge zu lernen.

Auch ich wollte immer möglichst dicke Muskeln haben, trainierte dabei teilweise wie ein Berserker um 1kg Muskelmasse aufzubauen. Ich arbeitete mit Nahrungsergänzungen um den Muskelaufbau zu optimieren, aß in Zeiten der Massephase dermaßen viel, dass mir teils Abends schlecht war und ich mich nur noch unwohl in meinem Körper fühlte, nur für das bisschen Extrakilo auf meinen Muskeln. Und es sollten natürlich nur die Muskeln sein, die wachsen sollten, nicht aber das Fett. Also konzentrierte ich mich auf solche Dinge wie „Lean Bulking“, also möglichst fettfreie Masse aufzubauen. Ich polierte immer mehr an dieser Karosserie und musste so viel an meiner Performance einbüßen. Meine Muskeln war vollgepumpt mit Blut sodass ich bei meiner Leidenschaft, dem Kampfsport, träge und langsam wurde. Schlimmer noch, mein schweres Krafttraining ließen mich immer unbeweglicher werden. Ich hatte Muskeln aufgebaut, aber gleichzeitig an wahrer Fitness eingebüßt. Damals wäre das mir egal gewesen, doch heute denke ich anders darüber. Und das ist witzig, habe ich doch in diesem Blog sicherlich einige Beiträge geschrieben, an denen ich andere Töne gespuckt habe.

Warum die wahre Fitness sich erst entwickeln muss

Doch genau das ist, was mir Anlass gegeben hat, dir diesen, zugegeben sehr ehrlichen Beitrag zu schreiben. Er passt natürlich hervorragend zu LIVABLE.YOU und dem #BSTYOU Prinzip, weil es hier um eine Entwicklung geht, die Entwicklung von sich selbst zu einer besseren Version. Dabei kann und darf man also auch heute eine andere Meinung haben als Gestern. Und meine Meinung ist heute (und das mag sich wieder ändern, sobald ich wieder ein paar Muskeln mehr aufbauen möchte), dass eine schöne Karosserie nicht der Performance weichen sollte. Sprich, die Leistung die ich bringen möchte, muss dem entsprechen, was ich erreichen möchte. Und mein Ziel ist nicht die Bodybuilding Bühne, sondern eine gesunde Fitness bis in mein hohes Lebensalter sowie eine körperliche und mentale Weiterentwicklung in meinen Leidenschaften Kampfsport und Fitness. Was bringen mir Muskelberge, wenn dahinter keine Leistung steht? Sicherlich kommt die „Karosserie" von alleine, denn ein Sportwagen fährt am schnellsten, wenn die Karosserie stromlinienförmig ist. Aber die Fitness steht für mich im Vordergrund. Und der wahre Fitnessgedanke muss sich entwickeln, muss reifen. Ich habe dazu 32 Jahre gebraucht und werde die Erfahrung dieser 32 Jahre nutzen, um das nächste Jahr besser zu machen als alle andere zuvor. Ich werde bestimmte Dinge mehr tun, dafür bestimmte Dinge weniger, weil sie für meine Fitness keine Rolle spielen. Es bringt dabei auch nichts, seinen Körper so kaputt zu machen, dass die Fitness drunter leidet, nur um einen schönen Körper zu halten. Ein Ferrari mit kaputten Motor kann man nicht fahren. Und wir haben nur diesen einen Körper, also bringt eine kurzfristige Sicht hier nichts; es bringt nichts den Ferrari 3 Monate oder 1 Jahre so zu fahren, dass er zwangsläufig kaputt gehen muss. Es geht darum, diesen so lange wie möglich zu halten.

Bitte mal klare Worte

Genug mit dem Gefasel, jetzt mal klare Worte. Ästhetik und Fitness sind nicht das gleiche. Das eine kann das andere beeinflussen bzw. das eine kann mit dem anderen kommen, muss aber nicht. Und eine Ästhetik muss teilweise gar nichts mit wahrer Fitness zu tun haben. Wenn ich dabei sehe, wie sich manche Menschen Öl in ihre Muskeln spritzen, um diese größer erscheinen zu lassen, arbeiten diese nur an ihrer Ästhetik, nicht aber an ihrer Fitness. Gleiches gilt aber auch für Sportler die sich mit verschiedenen Substanzen dopen, die aber nachweislich sogar einen negativen Einfluss auf die Gesundheit haben. Fitness hat wirklich eher etwas mit Gesundheit zu tun (und soll nicht heißen, dass du jetzt nur noch Yoga machen und Laufen sollst, schließlich ist Krafttraining sehr gesundheitsfördernd. Siehe dazu auch "Kraft und Muskeln - Sollte ich eigentlich Krafttraining machen?". Sprich eine gute Fitness sollte eigentlich zu einer guten Gesundheit führen und diese nicht negativ beeinflussen. Dazu gehören auch die Gelenke und Dinge, die man nicht von außen sehen kann. Wenn die Fitness, also der Motor nicht rund läuft, dann bringt es nicht, einen schönen Wagen zu haben, den man nicht fahren kann.

Also mein klarer Punkt: Hör endlich damit auf, dich nur um die Ästhetik deines Körpers zu kümmern und irgendwelchen Schönheitsidealen hinterher zu eifern. Wenn du Sport machst, dann geht es um dich, deine Fitness, deine Gesundheit. Du bist der „Fahrer“ deines Körpers. Die Ästhetik kommt irgendwann wohlmöglich von selbst, aber sie sollte nicht das sein, für was du trainierst. Auch ich muss mir das so oft vor Augen halten. Es geht um Fitness, deine körperliche, und (wenn du LIVABLE.YOU ja verfolgst) meiner Meinung auch mentalen Fitness. Es geht um einen Sportwagen, den du täglich bis ins hohe Alter fahren willst, du pflegen musst, mit richtigem Benzin, gutem Motorenöl, stetigen Wartungen, den richtigen Reifen (also Equipment) etc. Was bringt dir ein Ferarri mit kaputtem Motor in der Einfahrt?

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