Warum unsere Illusion von Realismus paranoid ist


So viele Menschen, mit denen ich mich unterhalte und die ich coache kommen früher oder später mit der Aussage auf mich zu "Mit sich selbst eins sein und im Moment leben... alles schön und gut, doch realistisch ist das alles nicht." Viele sprechen davon, dass die Welt schließlich anders funktioniert und die Welt in der Realität hart ist. "Die Gesellschaft verlangt aber heutzutage, dass wir das alles machen und haben" sagt dabei die eine, "Du musst schließlich deine Rechnungen bezahlen" der andere. "Heutzutage braucht man schon etwas eigenes, das brauchst du eben als Altersvorsorge." Diese Sätze sollten uns allen wirklich bekannt sein.

Wenn die Gesellschaft an die Tür klingelt

Doch gehen wir jetzt mal zu dem Fakt, dass bisher noch niemand an meiner Tür von der "Gesellschaft" geklingelt hat, mich strafend angeschaut hat mit den Worten "Also ich verlange jetzt von dir schon, dass du einen entsprechenden Job und ein entsprechendes Auto hast und am besten in deinem Alter auch schon etwas eigenes besitzt wie beispielsweise ein Haus". Vielleicht bekommt man das maximal noch durch die eigene Familie bzw. die Eltern gesagt, die es für einen eben nunmal "besser haben wollen" und nur gut meinen. Doch sind wir mal ehrlich, würdest du deine Kinder weniger lieben, wenn sie das alles nicht hätten? Wir denken uns eine Realität, in der wir etwas erreicht haben müssen, in der wir meinen so aussehen zu müssen wie es uns vorgelebt wird. Dennoch habe ich bisher noch niemanden gesehen der zu mir sagte: "Also ich erwarte von dir schon, dass du entsprechend aussiehst, so wie es sich in der Gesellschaft eben gehört". Wir denken das ist die Realität, dass ist eben "das Leben", doch sind diese Probleme wirklich alle realistisch? Was ist wenn ich dir sage, dass dies nicht der Realität entspricht, sondern eine reine Illusion ist?

Wir alle sitzen oft zu Hause und machen uns Gedanken über Dinge, die nicht Real sind. Wirklich, wir machen das so oft am Tag und merken es schon gar nicht mehr. Wir denken über Probleme nach, die in der nächsten Woche auf uns zukommen werden, wir denken über Gewalttaten nach, die uns ereilen könnten auf dem Weg in die Stadt, wir denken über Wirtschaftskonzerne und Politiker nach, die unsere Welt negativ beeinflussen und vielleicht sogar zerstören. Wir denken zu über 90% über Dinge nach, die uns ereilen könnten, die passieren könnten, die sein könnten, aber in diesem Moment real nicht existieren. Wir denken über diese Dinge nach in der Zeit in der wir sicher, gesund, lebend in unseren eigenen vier Wänden sitzen. Wir schauen uns verkrampft die Nachrichten an und suchen uns eine "Oh mein Gott, die Welt ist so schlecht" Realität, die wir vollständig in unseren Gedanken kreieren. Alles von den Bildern und Nachrichten die wir uns anschauen die nachweißlich eine aufbereitete und gefilterte Realität sind und uns wie "Spiele" als Information zur Verfügung gestellt werden. Aus dem gesehenen machen wir uns eine eigene Realität in unserem Kopf, einen Film den wir in unserem Kopf abspielen und denken, dieser Film sei die Wirklichkeit. Es ist so, als würdest du selbst einen Film gerade für real halten den du selbst produziert hast und gerade im Kino anschaust. Du hast diese Realität selbst geschrieben und hast plötzlich Angst davor und hältst diese für real. Wir wissen doch z.B. auch, dass Instagram Bilder nicht der Realität entsprechen, denn wir sehen nur schöne, sich von der Schokoladenseite zeigende Menschen die immer ein scheinbar ideales Leben führen. Wir schauen uns diese gefilterten Bilder an, wissen dass diese nicht die Realität sind und denken uns "Oh man, warum habe ich nicht so ein tolles Leben?" Du kreierst in deinem Kopf ein Bild einer Person auf Basis von gefilterten Informationen, projizierst dieses Bild auf dich selbst und bewertest dein eigenes Sein gegenüber dieser Illusion in deinem Kopf. Merkst du nicht wie paranoid das alles ist? Wir leben fast nur noch in einer reinen Illusion, machen uns Gedanken über Probleme im nächsten Jahr oder selbst über Dinge, die wir noch gar nicht haben "Oh aber wenn ich diesen Job dann bekomme, dann muss ich mir ja ein neues Auto kaufen. Aber welche Innenausstattung nehme ich nur? Was mache ich nur wenn das Auto nicht sofort lieferbar ist?" Oder noch ein Beispiel, dass du vielleicht kennst: "Was ist, wenn ich im kommenden Bewerbungsgespräch einen Hänger habe, was werden die dann von mir denken?" Ich frage dich hier und möchte dass du dir selbst dazu eine ehrliche Antwort gibst: Sind diese Fragen aus deiner Sicht wirklich alle real? Ist das wirklich die Realität?

Was ist wenn du den Großteil deines Lebens in einer Illusion erlebst, in Problemen, die im jetzigen Moment keine sind, aber irgendwann sein können. Was ist wenn du deine Probleme selbst kreierst und weiter Energie aufwendest in der Lösung dieser nicht existenziellen Probleme? Wenn du plötzlich 5 Tage lang dich nur auf "Wie bekomme ich keinen Hänger in einem Bewerbungsgespräch" konzentrierst und dazu Bücher liest, Filme schaust und teilweise nicht mal mehr schlafen kannst, weil du nur noch an dieses eine, nicht existierende Problem denkst? Wenn du in die Natur schaust, gibt es kein anderes Lebewesen, dass sich über nicht realistische Probleme Gedanken macht außer der Mensch. Denkst du eine Pflanze macht sich Gedanken darüber, wie hoch sie wachsen kann um schöner zu sein als alle anderen Blumen auf dem Feld? Denkst du ein Baum macht sich Gedanken darüber, wie er mehr Früchte geben kann um diese mit möglichst hohem Gewinn zu verkaufen? Wir haben verlernt wir selbst zu sein, vielmehr denken wir stets darüber nach, wie andere uns wohl haben wollen.

Leben wir in einer Illusion?

Ich habe für mich selbst verstanden, dass ich so viele Momente hab verstreichen lassen in Gedanken an Momente, die nur in meinen Gedanken bestanden hatten. Ich habe über Strafzettel nachgedacht, nachdem ich geblitzt wurde, die aber noch gar nicht in meinem Briefkasten waren. Aber ich habe mir schon Gedanken gemacht, wie schnell ich wohl war und wie teuer dieser Strafzettel wohl sein wird. Selbst der Gedanke "Was wäre, wenn ich jetzt doch so schnell war und einen Monat meinen Führerschein los bin" ist sofort als Problem in meinem Kopf entstanden und ich habe teilweise schlaflose Nächte gehabt, weil ich plötzlich Panik davor hatte, meinen Führerschein einen Monat abgeben zu müssen. Die Moral der Geschichte war, dass der Strafzettel geringer ausfiel als ich mir das je gedacht hatte und somit mir unnötig dieses Horrorszenario in meinem Kopf habe entstehen lassen. Dadurch habe ich aber sicherlich viele, wirklich realistische Momente mit meiner Freundin und in meinem Leben nicht bewusst und nur halblebig wahrgenommen.

Was ist, wenn der einzige, realistische Moment in deinem Leben der jetzige Moment ist? Fakt ist, dass du gerade hier sitzt, diesen Artikel liest, du atmest, dein Herz schlägt, dir geht es vermutlich gut, du bist vermutlich sicher, hast ein Dach über dem Kopf und wohlmöglich sogar noch deinen Führerschein. Was ist wenn nur dieser Moment zählt und deiner Realität entspricht? Was ist, wenn deine ursprünglich geglaubte Realität eine reine Illusion ist und wir paranoid an diese eine, illusionäre Realität glauben? Sicherlich gibt es Probleme, die gelöst werden müssen, aber ist es nicht sinnvoller, die Energie dann einzusetzen, wenn wirklich ein Problem in der wirklichen Realität auftaucht als all deine Energie bereits für nicht reale, illusionäre Probleme zu nutzen?

FAZIT:

Menschen, die sich keine Gedanken machen, was alles passieren kann, nennen wir häufig naiv und unrealistisch. Stattdessen sagen wir, diese Menschen sollen doch lieber in der Realität leben. Doch ist unsere Welt voller Probleme, die faktisch jetzt für uns in dieser Sekunde noch gar nicht existieren, tatsächlich eine reale Welt? Oder ist nicht vielmehr diese Welt illusionär und unrealistisch? "Ich habe nicht so ein tolles Leben wie die Menschen auf Instagram und werde dieses auch nie haben... ich werde niemanden finden und mein Leben wird einfach nur langweilig sein", das ist nicht realistisch. Real und Fakt ist, dass du jetzt gerade lebst und atmest wenn du das hier liest, dein Herz schlägt und vermutlich bist du auch sicher. Das ist deine Realität, das ist keine Illusion. Was wäre, wenn du deine ganze Energie in die wirkliche Realität legst und nicht in deine im Kopf kreierte Illusion? Was ist wenn all das dein Leben verändern kann?

Deine Übung:

Ich möchte dir als Hausaufgabe mitgeben, dass du ab sofort bei aufkommenden Problemen zweimal tief durchatmest und dir folgende Fragen immer klar vor Augen führst:

Ist dieses Problem real oder entsteht das nur in meinem Kopf?

Geht es mir gerade gut? Atme ich, schlägt mein Herz? Bin ich in Sicherheit?

Bei einem realen Problem: Was kann ich jetzt in diesem Moment tun, um das Problem aus der Welt zu schaffen?

Schreibe dir die Antworten wohlmöglich auf, was immer dabei helfen kann, etwas Struktur in deinen Kopf zu bekommen und Ruhe rein zu bekommen. Ich wünsche dir viel Erfolg in der realen Welt.

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