Drahtseilakt (Teil1) - Die Wahrheit über Lifebalance


Weißt du, eigentlich wollen wir nur eins: Wahre Superhelden werden. Wir wollen so viele Fähigkeiten gleichzeitig haben, wir wollen uns maßlos voll fressen und gleichzeitig schlank und sportlich sein, wir wollen Erfolg im Beruf haben aber gleichzeitig viel Zeit mit unserer Familie verbringen, wir wollen Zeit für uns haben aber gleichzeitig mit unzähligen Freunden unsere Zeit verbringen... Das Leben ist merkwürdig, denn es versucht seine Polarität stets ausgeglichen zu halten. Doch hier liegt die Herausforderung, und zwar bei jedem von uns. Denn eine tatsächliche Balance ist nicht wirklich möglich. Doch eins nach dem anderen.

Work-Life-Imbalance

Schauen wir uns im ersten Schritt erst einmal an, was Balance eigentlich heißt. Physikalisch bedeutet Balance "der Zustand, in dem entgegengesetzt wirkende Kräfte gleich stark sind" (Duden). Wir allerdings denken bei Balance eher an die "seelische Ausgeglichenheit", doch schauen wir uns trotzdem nüchtern erstere Definition an um die Polarität des Lebens genauer zu begutachten.

Machen wir das an einem ganz bestimmten Beispiel: Der Work-Life-Balance. Die Work-Life-Balance ist ein "gehypter" Ausdruck dafür, ein Gleichgewicht zwischen "Arbeit" und "Leben" zu bekommen. Nun gibt es aber hierbei schon mehrere missverständliche Aussagen, denn wir unterscheiden in der Work-Life-Balance die "Arbeit" und das "Leben". Wir suggerieren also, dass die Arbeit nicht zum "Leben" dazu gehört, vielmehr assoziieren wir etwas schlechtes mit der ihr. Work-Life-Balance hört sich dabei an wie Gut VS. Böse. Wer nach Work-Life-Balance sucht, der hat seine Arbeit also schon negativ tituliert und möchte damit eher versuchen, sein "notwendiges Übel" (wir müssen schließlich alle arbeiten um unsere Rechnungen zu zahlen) so minimal wie möglich zu halten und viel in seine Freizeit zu investieren. Ich verdramatisiere die Aussage etwas und sage: Jeder der nach Work-Life-Balance sucht, ist unglücklich in seinem Job. Lass mich dir erklären, wie ich zu dieser Aussage komme:

In der heutigen Zeit haben die meisten wahrscheinlich 40 Stunden Arbeitsverträge, sie arbeiten also durchschnittlich 8 Stunden pro Tag. Dh. es bleiben nach den 8 Stunden noch 16 Stunden "Leben" übrig. Kling an sich gar nicht so schlecht. Doch jeder von uns weiß, dass die Zeit bei schönen Erlebnissen (wie zum Beispiel Urlaub, Wochenenden etc.) extrem schnell und bei eher nicht-spaßigen, langweiligen Sachen extrem langsam vorbei zu gehen scheint. Wir denken nun also, dass wir wesentlich mehr Zeit in der Arbeit verbringen, die Arbeit selbst stresst dazu ungemein, somit kommen uns die 8 Stunden gleich wie 10 Stunden vor. Wir versuchen nun, diesen Stress irgendwie auszugleichen, in dem wir alles mögliche versuchen, in die restlichen 8 Stunden "Leben" zu packen (die restlichen 8 der 16 noch verfügbaren Stunden sind zum Schlafen gedacht ;)), um einen Ausgleich zu finden: Freunde, Familie, Sport, Hobbys, private Projekte usw. Und siehe da, irgendwie hat man das Gefühl, man schafft das alles gar nicht in der übrig gebliebenen Zeit. Die Schuld ist ganz klar gefunden: Die Arbeit und die fehlende Work-Life-Balance, die der Job mit sich bringt.

Doch vielmehr machen wir unbewusst mehrere Fehler:

1.) Wir haben Jobs, die wir nicht mögen

Wenn du dich morgens nur schwer in die Arbeit schleppst, du dich freust, wenn endlich Feierabend und Wochenende ist und du dich von Wochenende zu Wochenende quälst, solltest du dich ernsthaft fragen, ob der Job richtig für dich ist. Natürlich musst du deine Rechnungen bezahlen, doch dich damit ins Unglück zu stürzen und dich spirituell "umzubringen" sollte kein Job der Welt wert sein. Versteh mich nicht falsch: Jeder macht Fehler und muss sich selbst finden, um zu wissen, was zu einem passt und was nicht. Doch wenn du kein Karrieretyp bist, wenn du nicht 10, 12 oder sogar 16 Stunden in der Arbeit verbringen, du Abends, an den Wochenenden und sogar in der Freizeit an deine Arbeit denken willst (und zwar aus eigener Laune heraus, weil du erfolgreich sein willst und dir Spaß macht, was du tust), dann gehe nicht diesen Weg. Insbesondere nicht, wenn dir irgendjemand diesen Weg vorgeschrieben hat. Du hast so viele Möglichkeiten, sei es als Angestellter, als Selbstständiger oder Unternehmer. Doch wenn du anderen nicht "dienen" willst (was du zwangsläufig in einer Angestellten Position machst), dann musst du raus aus dem Angestellten Dasein. Was ich damit sagen möchte: Wenn du deinen Job nicht liebst, dann suche etwas was du liebst und machen möchtest (du solltest natürlich nicht einfach kündigen, das wäre Dumm. Aber du musst dich weiterentwickeln und suchen, was du willst). Separiere nicht Arbeit und Leben, denn wenn du deine Leidenschaft gefunden hast, dann gehört die Arbeit zu deinem Leben dazu.

2.) Wir teilen uns unsere Zeit schlecht ein

Um den Arbeitstag auszugleichen, packen wir uns unser "Leben" so voll, dass wir kein Vorhaben zu 100% erledigen können und somit das Gefühl bekommen, alles zu halbherzig zu machen. In diesem Fall schieben wir alles auf die ungeliebte Arbeit, die zuviel Zeit in Anspruch nimmt, da man zu wenig Zeit hat, um all seine "Lebensaufgaben" vollumfänglich zu erledigen. Dabei teilen wir uns die Zeit wirklich schlecht ein, machen Sachen, die absolute Zeitfresser sind und wollen zudem zu viel von allem. Du kannst dich nicht Abends mit Freunden treffen, noch 2 Stunden Sport machen, Zeit mit deiner Familie verbringen, einen Film anschauen, ein Buch lesen, noch eines deiner Hobbys und deinem persönlichen Erfolg nachgehen. Es klingt sehr drastisch, aber du musst einiges davon opfern und insbesondere Zeitfresser aus deinem Leben verbannen. Mein Tipp: Lasst das Fernsehen weg. Fernsehen bringt dir auch überhaupt gar nichts. Was im TV kommt ist meistens absoluter Schrott und verblödet. Zudem frisst Fernsehen so viel Zeit, in der du nichts anderes machst (selbst wenn du mit jemandem zusammen schaust, interagierst du mit dieser Person nicht wirklich, dh. ihr verprasselt gemeinsam eure Zeit).

3.) Wir stürzen uns von der Imbalance in die Imbalance

Stellen wir uns die Balance vor wie eine Waage. Auf die eine Seite stellen wir die Arbeit mit unbekanntem Gewicht. Die Waage geht schlagartig runter und du versuchst jetzt, mit deinen "Leben" Gewichten die Waage ins Gleichgewicht zu bringen. Doch anstatt nach und nach die Gewichte zu erhöhen, stellst du alle Gewichte gleichzeitig auf die Waage und auf einmal kippt die Waage auf die Lebensseite. Wir wechseln aus der Imbalance in die Imbalance. Ich spreche mit so vielen Menschen die genau das machen, um eine Work-Life-Balance zu bekommen: Sie hören auf einmal nach 8 Stunden pünktlich mit der Arbeit auf, sie entscheiden sich jetzt Sport zu machen, mehr mit Freunden zu tun, Abends noch Zeit mit der Familie zu verbringen, noch ein Buch zu lesen und und und. Ich selbst habe das genau so gemacht. Doch auf einmal erreicht man die nächste Imbalance. Was ist nun zu tun? Das Arbeitsgewicht vermehren? Das Lebensgewicht vermindern (und das bedeutet positives aufzugeben)? Natürlich macht es keinen Sinn, die Arbeit noch mehr zu verringern um mehr Gewicht auf die Lebensseite zu stellen. Die Imbalance bleibt und mit verfügbaren Gewichten auf der Waage wird es wahnsinnig schwierig, ein Gleichgewicht zu finden (Daher tun sich so viele auch so schwer mit der Work-Life-Balance), da man schließlich auch keine seiner Lebensgewichte aufgeben möchte.

Work-Life-Balance als Beispiel für Mittelmaß

Jetzt möchte ich dir aber die weitere Absurdität der Balance näher bringen. Wie ich in einen meiner früheren Blogs beschrieben habe, ist für mich der Sinn des Lebens das "Bestreben zum besten Ich meiner Selbst zu werden", dh. ich versuche bis an mein Lebensende immer besser in etwas zu werden. Das bedeutet, ich versuche jeden Tag mehr zu geben als gestern. Dh. ich gebe jeden Tag 100% in einer Sache, um mich hier zu verbessern. Im Sport beispielsweise muss ich vollen Einsatz bringen um den gewünschten Erfolg zu erzielen. Wenn du schonmal nur ein "mittelmäßiges" Training absolviert hast oder nur halbledig eine Diät durchgezogen hast, weißt du, dass der Erfolg auf sich warten lässt oder nur sehr sehr langsam zu sehen ist.

Schauen wir uns nun die Balance an. In der Balance will eine Ausgeglichenheit zwischen zwei gegensätzlichen "Kräften" herstellen werden, man will also die Kräfte, die Waage gleich schwer belasten. In der Work-Life-Balance bedeutet das plakativ: Eine gleichmäßige Belastung der Waage mit 50% Arbeit und 50% Leben, um ein Gleichgewicht herzustellen. Mal angenommen, das gelingt, ergibt sich allerdings ein neues Problem: Mittelmäßigkeit. Denn: Hobbysportler, die 2-3 mal die Woche trainieren können keine Vollprofi-Sportler werden. Natürlich musst du nicht zum Vollprofi werden wenn der Sport für dich "nur" ein Hobby ist. Doch wenn du wirkliche Erfolge in einem Sport suchst (zum Beispiel auch nur körperliches Aussehen), dann reichen wohlmöglich 2-3 mal die Woche training einfach nicht aus. Ein Viertligist im Fußball trainiert sicher anders als ein Bundesligaspieler. Und ein Mark Zuckerberg oder ein Elon Musk haben sicherlich keine 35 Stunden Woche. Anders gesprochen: Suchst du beruflichen Erfolg, möchtest du erfolgreich sein in dem was du tust, kannst du nicht halbherzig an die Sache ran gehen. Du kannst nicht nach 8 Stunden einfach die Stifte fallen lassen.

Natürlich gibt es auch Menschen, denen reicht das Mittelmaß vollkommen aus. Doch wenn du bis hierher gelesen hast, bist du anders, dann willst du diesem Ziel einen Schritt näher kommen, nämlich das beste DU zu werden, das du werden kannst. Und mit der Balance, so wie wir uns das mit der Work-Life-Balance so vorstellen, so drastisch das auch klingt, wirst du diese "Meisterschaft" nicht gewinnen.

Meine bildliche Vorstellung von Lifebalance

Doch denke ich, dass es so etwas wie Lifebalance geben kann. Für mich müssen wir aber dazu die Metaphorik der ausgeglichenen Waage vergessen. Ich sehe dabei die Work-Life-Balance eher als Drahtseilakt, bei dem man Versucht, von der einen auf die andere Seite zu kommen. Die andere Seite ist dein Ziel, dass du erreichen möchtest. Natürlich ist das ein Balanceakt, aber anders als bei der Waage, wo das Ziel eine Ausgeglichenheit der Kräfte ist, ist beim Drahtseilakt das Ziel die andere, standfeste Plattform. Um erfolgreich von der einen auf die andere Seite zu kommen, musst du dich voll konzentrieren und deinen Mittelpunkt finden. Dein Gewicht musst du auf deine Körpermitte konzentrieren, ohne dabei zu viel Gewicht auf die Schulter zu nehmen. Du musst einen Schritt nach dem anderen machen, musst 100% geben oder du fällst vom Seil. Für mich ist die Lifebalance eine "Meisterschaft", mal mit schwereren, mal mit leichteren Etappen, in der ich mich jedesmal voll auf eine Sache konzentriere. Gewichte auf den Seiten machen den Drahtseilakt nur unnötig schwer. Bei jedem Überlauf wirst du sicherer in den Schritten und mit dem Gleichgewicht, muss dich aber trotzdem konzentrieren, denn du kannst jederzeit herunterfallen.

Hast du trotzdem ein Gewicht, dass dich auf eine Seite zieht (z.B. die Arbeit), kannst du dieses zwar versuchen mit einem anderen Gewicht auszugleichen (z.B. Sport), allerdings wirst du dich kaum auf deine Schritte konzentrieren können, da du zu sehr damit beschäftigt bist, die Gewichte auszugleichen. Du gehst zudem langsamer zu deinem Ziel, also der anderen Plattform. Wenn du allerdings besonders gegensätzliche Gewichte (wie z.B. Arbeit und Leidenschaft) vereinst und diese in deiner Körpermitte zentrierst, hast du nichts, dass dich auf eine Seite zieht und du kannst dich auf deine Schritte und auf das Ziel konzentrieren. Diese Metapher entspricht dabei vielmehr unserer eigentlich angestrebten Definition der "seelischen Ausgeglichenheit" als Balance, doch dazu mehr im Fazit.

FAZIT:

Menschen, die eine Work-Life-Balance anstreben, suchen nach einer Möglichkeit, die meist negativen Erfahrungen der "Arbeit" mit positiven des "Lebens" auszugleichen. Bei der Work-Life-Balance reden wir also grundsätzlich von zwei verschiedenen Seiten (Gut VS Böse) die es gilt, ins Gleichgewicht zu bringen. Das Problem: Wir nehmen meist die negative Seite gewichtiger wahr als die positive, bedeutet wir suchen sehr lange nach einer Ausgeglichenheit und versuchen meist zu viel auf die positive Seite zu legen, um die negative auszugleichen. Dadurch entsteht allerdings eine Imbalance, die immer schwerer wird, auszugleichen. Sollte dies trotzdem gelingen, stellt sich das nächste Problem der Work-Life-Balance dar: Die Mittelmäßigkeit. Zwar hat man in diesem Fall ein Gleichgewicht gefunden, doch einen Preis der Mittelmäßigkeit gezahlt. Für Menschen, die sich damit zufrieden geben, kann dies ein Dauerzustand sein, doch denke ich, sind wir stets bestrebt mehr zu erreichen. Ich denke, man kann eine Lifebalance erreichen, in dem man das Gewicht nicht seitlich, sondern in der Körpermitte konzentriert um den "Drahtseilakt" zu meistern. Der Drahtseilakt ist dabei die "wackelige Angelegenheit", die wir in jeder Lebensphase, bei jeden zu erreichenden Ziel durchlaufen. Hierzu dürfen die "Gewichte" aber keine positive oder negative Seite mehr aufweisen, sondern müssen alle neutral betrachten werden. Im Endeffekt bedeutet das, dass z.B. Arbeit nichts negatives sein, sondern vielmehr Spaß machen sollte, also seine Leidenschaft sein sollte. Nur so kann das Gewicht in der Körpermitte behalten und der Drahtseilakt gemeistert werden. Wie du diesen Drahtseilakt erfolgreich meistern kannst, erzähle ich dir in einem meiner nächsten Blogs oder auch gerne in einem persönlichen Motivationsgespräch.

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Ich bin Oli, Gründer und dein Personal Coach, wenn es um das Thema Selbstbewusstsein und Potentialentfaltung geht. 

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